noch ein Interview, schreibspezifisch

Wie muss man sich das Konstruieren eines solchen Textes vorstellen?

Das macht mit Sicherheit jeder anders. Ich habe die Planung mit einem Mindmapping-Programm gemacht, einer Freeware, xmind. Man fängt mit einem leeren Blatt respektive leerem PC-Schirm an und schreibt den Namen des Haupdarstellers in die Mitte. Als nächstes habe ich dann alle Personen, die er finden muss, drumherum geschrieben. Und natürlich die Orte, an denen sie leben. Am Ende ging es dann darum, die Querverbindungen zwischen den einzelnen Akteuren herzustellen, das machen diese Programme durch Linien. Auf dieses Diagramm hab ich dann hin und wieder geschaut. Harald Martenstein nennt diese Methode “Büscheln”. Kommt aufs Gleiche raus.

Und dann setzt man sich hin und schreibt einfach los?

Dann setzt man sich hin und schreibt einfach los. Wichtig ist, dass man wirklich anfängt. Ich will gar nicht wissen, wie viele Ideen Ideen geblieben sind, weil Autoren Angst vor dieser bösen, leeren, ersten Seite hatten.

Welches Programm haben Sie denn für das Schreiben des Textes verwendet?

Ich habe mit Word begonnen. Einfach, weil ich eigentlich alles in Word schreibe. Mir ist klar, dass es da draußen 117 Alternativen gibt. Es wird ja auch immer geraten, mit einem dieser Zen-Programme zu arbeiten, bei denen man nichts auf dem Bildschirm sieht als die große Leere. Mir war das immer zu umständlich. Die Zeitungs-, Magazin- und Verlagsbranche arbeitet mit Word, und alle Texte, die ich bekomme, sind in diesem Format verfasst. Auf das ständige Hin- und Herformatieren hatte ich nie Lust.

Das Manuskript ist also komplett in Word geschrieben worden?

Nein, nur die ersten Kapitel. Ich habe dann relativ schnell gemerkt, dass ich da einen immer größer werdenden Textbrocken hinter mir her schleife. Wenn man nicht für jedes Kapitel ein neues Dokument anlegt, macht es Word einem ziemlich schwer, von einer Textpassage zu einer anderen zu gelangen, die weiter vorne im Dokument steht, so viel kann man gar nicht scrollen. Zum Glück ging damals das Autorenprogramm Scrivener in die Beta-Phase der Windows-Version. Das Programm gab es schon etliche Jahre für Mac, und während ich an Donnerstags im Fetten Hecht geschrieben habe, wurde es nach und nach für Windows entwickelt. Scrivener ist ein ganz wunderbares Programm. Funktioniert im Grunde wie eine gigantische Pinnwand, an der aber niemals Unordnung herrscht. Ich kann das nur empfehlen.

Sie benutzen also keinen Mac?

Nein. Ich schreibe seit vielen Jahren auf Thinkpads. Außerdem habe ich einen Neo, das ist so eine Art Schreibmaschine für Grundschüler. Besteht eigentlich nur aus einer Tastatur mit einem winzigen Display, in dem man vier Zeilen Text sieht. Der läuft auch nach Jahren immer noch mit dem ersten Satz Batterien. Ein fantastisches Gerät.

Kommen wir noch einmal zu Enstehung des Buches. Haben Sie den Text von vorne bis hinten in einem Rutsch geschrieben?

Eigentlich ja, Kapitel für Kapitel. Manchmal gab es kleine Szenen, die ich vor mir hergeschoben habe, weil sie mir eingefallen waren, aber gerade nicht passten, aber das waren Ausnahmen. Der einzige Absatz, den ich später hinzu gefügt habe, ist der kurze Prolog.

Würden Sie sich als schnellen Schreiber bezeichnen?

Oh Gott, nein. Im Gegenteil: Ich schreibe oft quälend langsam. Kann gut sein, dass ich einen Tag für einen Abschnitt brauche. Irgendwas ist doch immer: Zu viele Hilfsverben, kein guter Rythmus, abgedroschene Adjektive, logische Brüche. Ich habe selbst beim allerletzten Durchgehen des Manuskriptes noch unglaubliche viele Stellen verändert. Und das war, bevor das Manuskript ans Lektorat ging.